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Algorithmus erkennt Selbstmord gefährdete Jugendliche

Unterstützung in Schulen, Gemeinden und Familien ist sehr wichtig. (Lizenz: CC BY-3.0) / Jason Rogers
Forscher der Brigham Young University, der Johns Hopkins University und der Harvard University haben einen Algorithmus entwickelt, der Selbstmordgedanken und -verhalten bei Jugendlichen mit 91 %iger Genauigkeit vorhersagen kann.
Die Forscher beschreiben ihren Ansatz des maschinellen Lernens in einem heute in PLOS ONE veröffentlichten Artikel, in dem sie auch auf Risikofaktoren eingehen, die für die Vorhersage von Selbstmordgedanken und -verhalten bei Jugendlichen am wichtigsten sind: Online-Belästigung und Mobbing.

«Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen in den USA», sagte Michael Barnes, Mitautor der Studie und stellvertretender Dekan des BYU College of Life Sciences. «Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir die Risikofaktoren - und die Schutzfaktoren - im Zusammenhang mit diesem herzzerreissenden Problem besser verstehen. Unsere Studie untersucht diese Faktoren unter Jugendlichen, um das schulische und häusliche Umfeld widerzuspiegeln.»

1,2 Mrd. Datenpunkte verarbeitet

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Forscher mit hoher Genauigkeit vorhersagen können, welche Jugendlichen aufgrund der Erfahrungen, die sie gemacht haben, Selbstmordgedanken (in Erwägung ziehen oder planen) oder suizidales Verhalten (Selbstmordversuch) zeigen werden.

Das Team analysierte die Daten von 179.384 Schülern der Mittel- und Oberstufe sowie derjenigen, die von 2011 bis 2017 an der Umfrage zur Gesundheit und Risikoprävention von Schülern teilgenommen hatten. Der Datensatz umfasst Antworten auf mehr als 300 Umfragefragen und mehr als 8000 demografische Informationen, was insgesamt 1,2 Milliarden verarbeitete Datenpunkte ergibt.

Die Forscher wendeten dann verschiedene Algorithmen auf die Daten an und fanden ein maschinelles Lernmodell, das auf der Grundlage der bereitgestellten Daten genau vorhersagte, welche Jugendlichen später suizidale Gedanken und Verhaltensweisen (STB) entwickelten.

Kein Vater - erhöhtes Risiko

Die Daten zeigten, dass weibliche Jugendliche (17,7 %) häufiger von Suizidgedanken und -verhalten betroffen waren als männliche (10,8 %), und dass bei Jugendlichen ohne Vater im Haushalt die Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken um 72,6 % höher war als bei Jugendlichen mit Vater.

Vor allem aber fand der Algorithmus heraus, welche Risikofaktoren die wichtigsten Prädiktoren für Selbstmordgedanken und -verhalten sind:
  •     Bedrohung oder Belästigung durch digitale Medien
  •     Von einem Schüler in der Schule schikaniert oder gemobbt werden
  •     Exposition/Beteiligung an ernsthaften Auseinandersetzungen und Schreien zu Hause
«Diese Analyse findet die wichtigsten Ursachen für Selbstmordgedanken und -verhalten bei Jugendlichen und erstellt Risikoprofile, die uns ein klareres Bild der gefährdeten Jugendlichen vermitteln», so Studienmitautor Carl Hanson, Professor für öffentliche Gesundheit an der BYU. «Wenn man sich darüber klar werden will, was man dagegen tun kann, sind diese Profile ein guter Ansatzpunkt».

Die Forscher waren nicht überrascht, als sie sahen, dass einige der Risikofaktoren - Mobbing und Belästigung - ganz oben standen, aber sie waren etwas überrascht, als sie den starken Einfluss familiärer Faktoren feststellten: Drei der zehn wichtigsten prädiktiven Faktoren für STB waren direkt mit der familiären Situation verbunden:
  1. die Zugehörigkeit zu einer Familie, in der heftig gestritten wird,
  2. die Zugehörigkeit zu einer Familie, in der immer wieder über dieselben Dinge gestritten wird, und
  3. die Zugehörigkeit zu einer Familie, in der geschrien und sich gegenseitig beleidigt wird.
Das Team erklärte, dass die Auswirkungen der Forschungsergebnisse für die Präventionsprogramme und die Politikgestaltung von entscheidender Bedeutung sind. Insbesondere hoffen sie, dass die politischen Entscheidungsträger das STB-Risikoprofil und die damit verbundenen Rankings nutzen, um Dienstleistungen, Ressourcen und Bewertungen für die Schule, die Gemeinde und die Familie zu entwickeln.

«Die Ergebnisse sprechen eindeutig für die Notwendigkeit von Präventionsmassnahmen, und die Schulen sind möglicherweise der beste Ort, um mit der Eindämmung von Mobbing und Online-Belästigung zu beginnen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Familien gestärkt werden müssen», sagte Hanson. «Für die Gemeinden brauchen wir Programme, die die Familie unterstützen und stärken.»
(fest/pd)
publiziert: Freitag, 5. November 2021 / 14:46 Uhr , aktualisiert: Freitag, 5. November 2021 / 14:53 Uhr

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